Unterschied zwischen Wolle von Schafen aus ökologischer Tierhaltung und konventioneller Wolle

Wer Schafe ökologisch hält, hat eine besondere Einstellung zu seinen Tieren und
seiner Arbeit. So setzen Bio-Landwirte auf artgerechte und gesunde Haltungsverfahren
statt auf Höchsterträge. Erhöhter Arbeitsaufwand wird zugunsten der Tiere und
besserer Wollqualitäten in Kauf genommen. Aber was heißt das nun im Einzelnen:
Bereits bei der Rassenwahl gibt es Unterschiede: Konventionell arbeitende Landwirte
halten in der Regel leistungsfähige Spezialrassen oder -kreuzungen, je nach
Erzeugungsziel. lm zerlifizierlen Ökolandbau dürfen nur Tiere gehalten werden, die in
Ökobetrieben aufgezogen wurden. Um die Rassenvielfalt zu erhalten, werden möglichst
gefährdete Nutztierrassen gewählt, die robust sind.
In Sachen Tierhaltung genügt es bei der konventionellen Haltung von Schafen, die
Haltungsverordnungen des Tierschutzgesetzes einzuhalten. lm Ökolandbau gelten
besondere Haltungsvorschriften zum Wohl des Tieres. Geringere Besatzdichten,
größere Ställe oder das Verbot der Anbindehaltung sind einige Beispiele für artgerechte
Tierhaltung. lhre Hörner und Schwänze dürfen Bio-Schafe übrigens auch behalten. Sie
werden auch einzeln geschoren, was für die Tiere erheblich stressfreier ist als die
Fließbandschur, die in konventionellen Betrieben stattfindet.
In der konventionellen Schafhaltung werden die Tiere routinemäßig mit Pestizidbädern
gegen Parasiten behandelt. Schäfer, Vorarbeiter und natürlich auch die Schafe werden
durch die Behandlung mit chemischen Pestiziden belastet. Die eingesetzten Mittel sind
Phosphate und Pyrethroide, beides Nervengifte. Rückstände der Parasiten-Mittel sind
auch in der Wolle noch nachweisbar. Unter besonders hohem Parasitenbefall leiden
Tiere bei der Massentierhaltung. Die Biolandwirte verzichten darauf und halten
stattdessen kleine robuste Herden auf ausreichend großen Weiden, um den
Parasitendruck zu verringern.
Über die ökologischen und sozialen Aspekte der Textilindustrie hinaus ist der Tierschutz
ein weiterer Aspekt bei der Haltung von Schafen. So werden in Australien
beispielsweise Merinos unbetäubt und ohne anschließende Wundbehandlung auf
brutale Weise im Afterbereich beschnitten, um sie vor Fliegenbefall zu schützen.
Tierschützer laufen natürlich Sturm. Bei ökologisch gezüchteten Schafen ist die
Prozedur nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn keine andere Methode zum Erfolg führt.